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Der Basar ist eröffnet

Mit passablem Wetter beginnt die diesjährige Kerbesaison

So langsam kommt er, der Frühling. Nach einem ersten Aufblitzen am letzten Samstag ist es ja zur Zeit eher kühl, grau und naß. Aber das Aprilwetter Ende März läßt hin und wieder schon einmal einen Vorgeschmack durch, was sich hinter der Wolkendecke verbirgt.

Das Wochenende ist gut geeignet, spontane Wetterwechesel wie gestern Abend auszunutzen. So haben wir kurzentschlossen beim Frühlingsfest vorbeigeschaut und ich habe die Kerbesaison 2009 begonnen.


The Happiest Days Of Our Lives, Kriftel, March 2009
Wie manche wissen, gehe ich immer gern auf jede Art von Jahrmarkt, Vergnügungspark oder Kirchweih. Letztere heißen bei uns in Hessen Kerb und ich bezeichne gleich jede Art von derlei Volksfesten als Kerb, das macht es einfacher.

Die Schausteller hatten vergangenes Jahr ziemliches Pech mit dem Wetter. Dieses Jahr verspricht besser zu werden und so hoffe ich auch noch auf das eine oder andere Foto.

Facelift

Frankfurts Stadtzentrum im Umbruch

In Frankfurt hat kürzlich ein neues Einkaufszentrum seine Pforten geöffnet. MyZeil heißt das neue Gebäude, dessen Hauptattraktion die faszinierende Dach- und Fassadenkonstruktion ist, im Inneren verstärkt durch die raffinierte Anordnung von Ebenen, Durchbrüchen und Treppen.


Fassadenbauarbeiten an MyZeil, Frankfurt, Dezember 2008
Petra Roth bezeichnete die Namensgebung übrigens angeblich als "geradezu genial". Wesen mit dem Denkvermögen einer Amöbe werden begeistert zustimmen. Ich war noch nicht drin, mich schreckten bislang die Menschenmassen ab. Aber das ist das Schöne am Internet, es erspart so manches ;-)


MyZeil Fassade, Frankfurt, März 2009
Fakten über MyZeil finden sich z.B. auf Wikipedia. Und auf flickr läuft gerade der inoffizielle Wettbewerb, in kürzester Zeit jedes einzelne Bauelement mindestens einmal im Bild festgehalten zu haben.


Street Art, Frankfurt, Zeil, März 2009
Die 'Verschönerungsmaßnahmen' auf der Zeil halten noch an, es bleibt zu hoffen, daß sie den Weg bald wieder ganz frei geben. Was mir schon einmal sehr gut gefällt ist die Idee, die Hauptwache in die Fußgängerzone der Zeil einzubeziehen, keine Autos mehr an der Hauptwache.


In The Centre, Frankfurt, Zeil, März 2009
Es tut sich was in Frankfurt. Nachdem im Dezember bereits der Goetheplatz fertig wurde, ist mit Abschluß der Arbeiten an der Zeil und am Palais Quartier das Stadtbild im Zentrum bald nicht mehr so sehr von Baustellen bestimmt.

Der Lenz ist da!

Tralala

Mannomann, es war Zeit für einen Wetterwechsel. Perfektes Wetter. Den ganzen Tag. An einem Samstag. Temperaturen über Null.

Wann hatten wir das alles zusammen das letzte Mal? Keine Ahnung, aber heute war es so. Jeder, der heute drinnen blieb war entweder selbst schuld oder zutiefst bedauernswert. Meine Schuhe haben sich jedenfalls heute ihren Preis mal wieder sauer verdienen müssen.

Ein Streetwalk ohne eingefrorene Finger? Das muß am Wetter liegen! Jawohl, der Frühling ist da, in Frankfurt war er heute zweifelsfrei auf dem Vormarsch. Endlich mal wieder Gelegenheit zu Street Photography bei korrektem Licht.


Barber Star, Frankfurt Bahnhofsviertel, March 2009

Für die Tiere

Protestmarsch und Kundgebung zum Tierschutz in Frankfurt

Gestern war wieder eine Demonstration in Frankfurt. Pelzgegner, Tierversuchsgegner, Vegetarier und Veganer gingen gemeinsam auf die Straße. Die Demonstranten stammten aus ganz unterschiedlichen Alters- und Bevölkerungsgruppen.

Einer der Redner kam nach eigenem Bekunden eigens mit dem Nachtzug aus Wien und berichtete u.a. von Repressalien, denen Tierschutzaktivisten ausgesetzt sind. Das gibt einem im Hinblick auf die Staatsmacht und deren Ausübung schon zu denken.

Die Demonstration verlief erfreulicherweise friedlich, allerdings weiß ich nicht, ob das dem erstaunlich massiven Polizeiaufgebot geschuldet war oder der überwiegenden Friedfertigkeit der Leute.

Als ich bei einem Gang durch die Innenstadt in die Demo geriet, wollte ich die Emotionen der Teilnehmer und die Atmosphäre der Demonstration einfangen. Bei der Suche nach Motiven während der Veranstaltung bekommt man natürlich auch die Proteste mit und man muß sich schon fragen, ob für einen Pelz Tiere getötet werden sollten, heutzutage, wo Kleidung auch ohne Tierfelle und -häute hergestellt werden kann.


Animal Liberation Protest, Frankfurt, March 2009
Auf das Essen von Wurst und Fleisch möchte ich nicht verzichten, aber ich verstehe und respektiere diese Haltung bei anderen und bewundere deren Konsequenz und Verzicht.

Hier habe ich mir auf der Demonstration die Frage gestellt, ob ich das mit einer Horde militant auftretender Schreihälse diskutieren möchte, die am liebsten gerade das Geschäft eines hiesigen Pelzhändlers sowie eine McDonalds-Filiale platt machen würde, wenn die Polizei nicht im Weg wäre. Volkszorn pur, ein Dialog ist da eher schwierig.

Ich habe dann lieber nur Fotos gemacht. Erstaunlich, wie wütend einzelne Demonstranten allein schon darauf reagieren. Immerhin begeben sie sich für ihre Sache in die Öffentlichkeit, da sollte man meinen, daß Fotografien des Protests und deren Veröffentlichung willkommen sind.

Es ist die Frage, wie sich die Rolle des gewaltbereiten Angreifers mit friedlichem Protestieren vereinbaren läßt. Einen Fotografen anzugreifen finde ich jedenfalls ziemlich idiotisch, wenn man den Menschen etwas zeigen möchte. Hier macht dann wahrscheinlich das Limbische System aller Vernunft einen Strich durch die Rechnung :-D

Eine aufgeheizte Menschenmenge ist mehr als eine Gruppe einzelner Menschen, das muß man sich immer vor Augen halten.


Animal Liberation Protest, Frankfurt, March 2009

Schöne Neue Welt

Twitter, eine Oberflächlichkeits-Maschine

Schon seit einiger Zeit hört man es von überallher im Cyberspace. Twitter! Twitter! Twitter! Twitter! Und man fragt sich einmal mehr, soll ich mich da anmelden? Warum machen das alle? Was ist so besonders am sogenannten Microbloggen?

Meine bisherigen Überlegungen haben mich bewogen, nicht an dieser fortwährenden Twitter-Berieselung teilzunehmen. Dieser Beitrag gibt ein Beispiel, was mich an Twitter stört.

Kürzlich erschien in meinem Newsreader die Ankündigung eines 'Live Question & Answer' Ereignisses von Magnum Photos mit Larry Towell. 'Hm', dachte ich, 'warum macht Magnum so etwas?'. Immerhin sind Twitter-Nachrichten auf 140 Zeichen begrenzt, man kann damit nicht sonderlich umfassend diskutieren.

Zudem fand ich es schade, daß man ohne Twitter nicht in Kontakt mit Larry treten konnte. Heute erscheint nun die Mitschrift der Fragestunde im Blog von Magnum und ich finde mich bestätigt in der Entscheidung, Twitter Twitter sein zu lassen.

Die Antworten sind furchtbar oberflächlich. Sie dringen nicht zum Kern der Punkte vor, die mit den Fragen jeweils thematisiert werden. Wenn ein erfahrener und erfolgreicher Fotograf einer so angesehenen Agentur wie Magnum sich den Fragen seiner Mitmenschen stellt, sollte er mehr Raum haben, sich zu öffnen. Ein Beispiel:

Frage: What inspired you to become a photographer and which have been the influences in your life?

Antwort: The subjects have been my influences, what inspired me was first person experience in Central America in the '80s

Tja. Das ist ja eine spektakuläre Mitteilung. Larry Towell wird von seinen Motiven beeinflußt. Und eine persönliche Erfahrung in Zentralamerika war eine Inspiration für ihn. Wow. Auf zur nächsten Frage und zur nächsten Schwachmaten-Antwort.

Mal im Ernst, wo bleibt da das Warum?

Es zählt nur noch das Funktionieren, egal warum. Und wenn man das Warum nur lange genug ausblendet, besteht die echte Chance, daß die Oberflächlichkeit ein für allemal die bestimmende Größe wird. Dann muß man sich endlich nicht mehr den Kopf zerbrechen, irgendwer wird es dann schon richten.

Willkommen in der neuen Welt der Dämlichkeit. Bitte gebt Eure Neugier am Empfang ab, sie wird fachmännisch und umweltfreundlich entsorgt.

Und wieder im Ernst: Larry Towell schreibt in einer seiner Antworten des Twitter-Events
"A path is not a highway, I'm a meanderer. I'm still not sure what I want to be when I grow up."
Ein weiterer Allgemeinplatz, platt pathetisch noch dazu. Eines "Poeten" nicht würdig. Das einzige, was ich an der Antwort bemerkenswert finde, ist der Verweis auf seine angeblich anhaltende Kindlichkeit. Genau diese möchte ich mir bewahren mit dem Beharren auf die vielen 'Warums', die es noch zu fragen gilt (ups, Larrys Pathos steckt an).

Mit selbstherrlichen Allgemeinplätzen herumzuorakeln disqualifiziert einen Menschen, die respektvollen Warums seiner Zeitgenossen zu erfahren. Sehr enttäuschend, Larry, Du hast noch garnicht gemerkt, wie erwachsen Du schon geworden bist. Und sehr enttäuschend, Magnum, zurück zur Fotografie, bitte.

Twitter wird bestimmt furchtbar erfolgreich in der schönen neuen Welt.


Fliegende Ballerina-Schweine, Frankfurt, Dezember 2008

Mut zum Makel

Digitalfotografie ist oft unnatürlich makellos

Die Digitalfotografie hat einen Makel, der mir beim Betrachten vieler Digitalfotos unangenehm auffällt. Es sind die Makellosigkeit, der fehlende Charakter der Bilder, die manchmal einfach nicht zum Motiv passen.

Bei Modefotos oder Werbeaufnahmen mag das willkommen sein, drum sind Werbe- und Modefotos in aller Regel künstlich hergestellt. Wirkliche Lichtsituationen sehen anders aus und bei Bildern aus dem Alltag, oft hastig im Vorbeigehen den Moment erhaschend, ist das Licht selten optimal.

Daher sei gesagt: Mut zum Makel, auch und gerade in der Digitalfotografie. Laßt euch nicht von krittelnden Kommentaren abschrecken, der Frame sei schief, das Rauschen sei zu stark oder der Fokus nicht dort, wo er nach Meinung des Kommentators sein soll.

Im Gegenteil, geht an die Grenzen des Machbaren und ihr werdet sehen, daß da viel mehr in den Digitalkameras steckt, als der handelsübliche Technokrat einer 'guten' Fotografie gewöhnlich beimißt.

Die Fotografie entsteht beim Druck auf den Auslöser. In der Nachbearbeitung wird das Gesehene nur hervorgebracht. Nachträgliche Verschönerungen sind meist überflüssig, sie werden als solche offensichtlich und tragen selten zu einer guten Fotografie bei. Wenn es beim Druck auf den Auslöser nicht geklappt hat, war es das mit dem Foto.

Deshalb: Gebt nicht den Verlockungen des digital Darkroom den Vorzug. Kultiviert die handwerklichen Fähigkeiten beim Machen von Fotografien und lernt die wahren Grenzen eurer Kamera kennen.



Young Guns - Sainte Maxime, Côte d'Azur, France, October 2008

Fotografischer Streifzug

..macht süchtig

Kennt Ihr das auch? Man hat schon ewig nicht mehr fotografiert, kommt einfach nicht dazu und hat auch wegen so vieler anderer Dinge, die sich dazwischen drängen, keinen Nerv dazu. Und dann kommt der Tag, an dem mal wieder Zeit und Muße ist, kreativer Freiheit ihren Lauf zu lassen.

Heute war so ein Tag. Einfach losfahren und irgendwo Fotografien machen. Kein konkretes Thema, nur der unverbindliche Gedanke "da wolltest du doch schon immer mal hin und gucken, ob sich nicht ein Motiv ergibt..".

Es ist verblüffend, welche Wohltat das sein kann. Einfach das Gesehene auf sich wirken lassen, handwerkliche Qualitäten pflegen und sehen was dabei heraus kommt. Eindrücke in den Straßen sammeln, zwanglos die Atmosphäre visuell einatmen und im Vorbeigehen festhalten.

Heute habe ich nach langer Zeit auch mal wieder das Stativ mitgenommen. Und obwohl es am Ende doch nicht ganz ohne klassische Straßenfotografie 'en passant' ging (macht irgendwie süchtig), sind, glaube ich, auch ein paar ganz passable Aufnahmen mit Stativ herausgekommen.

Life is good.

 

Frankfurt Rebstock, February 2009
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